Kurzfassung: ISO 2768 legt fest, welche Maßabweichungen zulässig sind, wenn auf einer Zeichnung keine Einzeltoleranz eingetragen ist. Klasse m (mittel) ist der Industriestandard. Für Passungen und Funktionsflächen braucht es trotzdem Einzeltoleranzen nach ISO 286.
Was ist ISO 2768?
Jedes gefertigte Teil weicht minimal vom Sollmaß ab. Das ist physikalisch unvermeidbar. Die Frage ist nur: Wie viel Abweichung ist noch akzeptabel? Wenn eine Zeichnung für jedes einzelne Maß eine Toleranz einträgt, ist das eindeutig, aber aufwändig.
ISO 2768 löst dieses Problem mit sogenannten Allgemeintoleranzen: Wer auf seiner Zeichnung "ISO 2768-m" vermerkt, legt damit fest, dass alle Maße ohne eigene Toleranzangabe nach der Klasse "mittel" gefertigt werden. Der Zeichner muss nur noch die Maße eintragen, die davon abweichen.
Wichtig: ISO 2768 gilt nur für Maße ohne eingetragene Einzeltoleranz. Sobald ein Maß eine eigene Toleranzangabe hat (z. B. 30 ±0,05 oder H7), gilt diese, nicht die Allgemeintoleranz.
ISO 2768-1 und ISO 2768-2: Was ist der Unterschied?
Die Norm besteht aus zwei Teilen, die unabhängig oder kombiniert verwendet werden:
- ISO 2768-1 regelt Allgemeintoleranzen für Längenmaße und Winkel. Das sind die Maße, die man direkt ablesen kann: Länge, Breite, Bohrungsdurchmesser, Winkel zwischen Flächen.
- ISO 2768-2 regelt Allgemeintoleranzen für Form und Lage: Geradheit, Ebenheit, Rundheit, Rechtwinkligkeit, Symmetrie. Diese Abweichungen sieht man auf einer Zeichnung nicht als Zahlenwert, sondern als geometrische Anforderung.
Beide Teile werden häufig kombiniert angegeben, z. B. "ISO 2768-mK". Das bedeutet: Klasse "m" für Längen/Winkel, Klasse "K" für Form und Lage.
Die Toleranzklassen im Überblick
ISO 2768-1: Längen und Winkel
Die zulässigen Abweichungen steigen mit dem Nennmaß. Die Tabelle zeigt Richtwerte für den Bereich 3–30 mm.
| Klasse | Bezeichnung | Richtwert 3–30 mm | Typischer Einsatz |
|---|---|---|---|
| f | fein | ±0,05 mm | Präzisionsmaschinenbau, Messgeräte |
| m | mittel | ±0,1 mm | Allgemeiner Maschinenbau (Standard) |
| g | grob | ±0,2 mm | Schweißkonstruktionen, Gussgehäuse |
| v | sehr grob | ±0,5 mm | Halbzeuge, grob bearbeitete Teile |
ISO 2768-2: Form und Lage
| Klasse | Bezeichnung | Typischer Einsatz |
|---|---|---|
| H | fein | Hochpräzise Führungen, Lagersitze |
| K | mittel | Allgemeiner Maschinenbau (Standard) |
| L | grob | Strukturbauteile, Gehäuse ohne Funktionsflächen |
Welche Klasse für welches Bauteil?
Für die große Mehrheit der CNC-gefrästen und gedrehten Maschinenbauteile ist ISO 2768-m die richtige Wahl. Sie ist der anerkannte Industriestandard und deckt alle Anwendungen ab, bei denen keine besonderen Passungsanforderungen vorliegen.
Faustregel: ISO 2768-m für alles ohne Passung. Für Bohrungen und Wellen, die ineinandergreifen, Einzeltoleranzen nach ISO 286 (z. B. H7/h6) eintragen. ISO 2768-mK ist eine gute Kombination für CNC-Frästeile mit geometrischen Anforderungen.
Wann reicht ISO 2768-m nicht mehr?
- Lagersitze und Passbohrungen: Immer Einzeltoleranz nach ISO 286 (H6, H7, H8...) - die Allgemeintoleranz ist dafür zu weit.
- Gewindetoleranzen: Für Gewinde gelten eigene Normen (ISO 965 für metrische Gewinde).
- Dichtflächen: Rauheit und Formtoleranz müssen einzeln angegeben werden.
- Messgeräte und Lehren: Hier ist ISO 2768-f oder noch engere Einzeltoleranzen notwendig.
Was bedeutet das für die Bestellung?
Wenn Sie ein CNC-Teil bei TOSOMA oder einem anderen Lohnfertiger bestellen, gilt folgendes:
- Steht auf der Zeichnung "ISO 2768-m", fertigen wir alle Maße ohne eigene Toleranzangabe nach Klasse m.
- Maße mit eingetragener Toleranz werden exakt nach dieser Vorgabe gefertigt.
- Steht keine Toleranznorm auf der Zeichnung, fragen wir nach. Ohne Vorgabe ist das Bauteil im Streitfall nicht prüfbar.
Tipp für Anfragen ohne Zeichnung: Wenn Sie keine fertige Zeichnung haben, reicht es zu sagen "ISO 2768-m" als Standardanforderung. Wir erstellen dann auf Basis Ihrer Angaben oder eines Musters eine Zeichnung mit entsprechendem Toleranzeintrag.
Häufige Fragen zu ISO 2768
Alle Maße ohne eingetragene Einzeltoleranz werden nach Toleranzklasse "mittel" gefertigt. Für ein Längenmaß von 30 mm bedeutet das ±0,1 mm zulässige Abweichung.
Ja. ISO 2768 gilt für alle spanend gefertigten Teile - Drehen, Fräsen, Bohren, Schleifen. Ausgenommen sind Guss, Schmieden und andere Urformverfahren.
Nein, es ist keine Pflicht. Aber ohne Toleranznorm fehlt dem Fertiger die Grundlage zur Qualitätskontrolle. Ohne Angabe fertigen wir nach bestem handwerklichen Ermessen - bei Reklamationen fehlt dann die verbindliche Prüfgrundlage.
Der Mehraufwand für ISO 2768-f (fein) gegenüber -m (mittel) ist bei modernen CNC-Maschinen gering, solange keine zusätzlichen Schleif- oder Honschritte nötig sind. Entscheidend ist das Messen: Enge Toleranzen erfordern aufwändigere Prüfmittel und Messprozesse, was den Preis stärker beeinflusst als die eigentliche Fertigung.
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