Kurzfassung: ISO 286 regelt Passungen zwischen Wellen und Bohrungen. Die Toleranzlage (Buchstabe) legt die Lage des Toleranzfeldes fest, die Qualität (Zahl) legt die Weite. H7/h6 ist die Standard-Spielpassung für Lager und Führungen. Für Allgemaße ohne Passungsanforderungen genügt ISO 2768.
Was ist ISO 286 und wozu braucht man Passungen?
Wenn zwei Bauteile ineinandergreifen - eine Welle in einer Bohrung, ein Passstift in einer Bohrung, eine Buchse im Gehause - dann kommt es darauf an, wie viel Spiel oder Vorspannung die Verbindung hat. Das hängt von den Toleranzen beider Teile ab.
ISO 286 definiert ein System aus Toleranzfeldern für Bohrungen und Wellen. Jedes Toleranzfeld wird durch zwei Parameter beschrieben: die Toleranzlage (ein Buchstabe, der angibt, wo das Toleranzfeld relativ zum Nennmaß liegt) und die Toleranzqualität (eine Zahl von 01 bis 18, die die Breite des Toleranzfeldes festlegt). Großbuchstaben bezeichnen Bohrungen, Kleinbuchstaben Wellen.
Das Ziel: Fertiger können Wellen und Bohrungen unabhängig voneinander herstellen, und die fertige Verbindung hat trotzdem die gewünschte Passung - ob Spiel, Übergang oder Presssitz.
Einheitsbohrung und Einheitswelle
ISO 286 kennt zwei Grundsysteme, die festlegen, welches Bauteil das Maßgebende ist:
- Einheitsbohrungssystem: Die Bohrung hat eine feste Grundabweichung von null (Toleranzlage H). Verschiedene Passungen werden durch Änderung der Wellentoleranz erreicht. Das ist der Normalfall im Maschinenbau, weil Bohrungswerkzeuge wie Reibahlen in festen Größen gefertigt werden und weniger Werkzeugvarianten erfordern.
- Einheitswellensystem: Die Welle hat die Grundabweichung null (Toleranzlage h). Die Bohrungstoleranz wird variiert. Wird seltener verwendet, typischerweise bei zugekauften Wellen mit Toleranz h6.
Im Alltag bedeutet das: Wenn eine Zeichnung "H7" für eine Bohrung angibt, ist das Einheitsbohrungssystem. Die Bohrung ist das feste Maß, die Welle wird angepasst.
Merkhilfe: Großbuchstaben = Bohrung (H wie Hohlraum). Kleinbuchstaben = Welle (h wie Holm). Die Zahl dahinter ist die Toleranzqualität - je kleiner, desto enger.
Die wichtigsten Toleranzlagen im Überblick
Bohrungen (Großbuchstaben) und Wellen (Kleinbuchstaben) mit typischem Einsatz. Werte für Nenndurchmesser 18-30 mm als Richtwert.
| Toleranzlage | Typ | Grundabweichung (18-30 mm) | Typischer Einsatz |
|---|---|---|---|
| H7 | Bohrung, Spielpassung | 0 / +0,021 mm | Standardbohrung für Lagersitz, Führung, Passstift |
| H8 | Bohrung, mehr Spiel | 0 / +0,033 mm | Gleitlager mit bewusst größerem Spiel |
| h6 | Welle, Spielpassung | -0,013 / 0 mm | Standardwelle zu H7, Drehlager, Führungswellen |
| k6 | Welle, Übergangspassung | +0,002 / +0,015 mm | Passstifte, Bundlager, lagerichtige Verbindungen |
| p6 | Welle, Presspassung | +0,022 / +0,035 mm | Eingepresste Buchsen, Lageraussenringe ohne Sicherungsring |
| f7 | Welle, größeres Spiel | -0,020 / -0,041 mm | Gleitlager mit Schmierung, hin- und hergehende Bewegung |
| js6 | Welle, symmetrische Übergangspassung | -0,006 / +0,006 mm | Leichte Übergangspassung, mit Hand ein- und ausbaubar |
H7 - die Standardbohrung
H7 ist die meistverwendete Bohrungstoleranz im Maschinenbau. Das "H" steht für die Toleranzlage mit der Grundabweichung null - die untere Grenze des Toleranzfeldes liegt genau am Nennmaß. Die Bohrung darf also nur größer werden, nicht kleiner. Bei einem Nenndurchmesser von 25 mm und H7 sind Bohrungen von 25,000 mm bis 25,021 mm zulässig.
Die 7 steht für die Toleranzqualität IT7 - das ist eine mittlere Genauigkeitsstufe, die mit einem typischen Reibvorgang erreichbar ist. H7-Bohrungen werden gerieben oder präzisionsgefräst.
h6 - die Einheitswelle
Spiegelbildlich zu H7: Beim Kleinbuchstaben h liegt die obere Grenze des Toleranzfeldes bei null. Die Welle darf also nur kleiner werden, nie größer als das Nennmaß. Bei 25 mm und h6 sind Wellen von 24,987 mm bis 25,000 mm zulässig. Die Paarung H7/h6 ergibt damit ein Spiel von 0 bis 0,034 mm - das ist die klassische Spielpassung.
k6 - die Übergangspassung
Bei k6 liegt das Toleranzfeld der Welle leicht über dem Nennmaß. Je nach tatsachlichem Fertigungsmaß der Bohrung und der Welle ergibt sich entweder ein kleines Spiel oder ein kleines Übermaß. Deshalb heißt diese Passungsart Übergangspassung. Die Verbindung H7/k6 ist lagegenau und noch mit normaler Kraft montierbar, aber ohne Spiel - ideal für Passstifte und Kupplungsteile.
p6 - die Pressverbindung
p6 liegt sicher über dem Nennmaß. Die Paarung H7/p6 ergibt immer ein Übermaß - die Welle ist stets größer als die Bohrung. Für die Montage wird gepresst, gekühlt oder erwärmt. Die Verbindung ist selbstsichernd und überträgt Krafter ohne zusätzliche Sicherungselemente. Einsatz: eingepresste Buchsen, Lageraussenringe, Zahnriemenräder auf Wellen.
Praxisbeispiele aus der Fertigung
Lagersitz in einer Wellenaufnahme
Ein Wälzlager (z. B. SKF 6205) mit Innenring 25 mm muss auf einer Welle sitzen. Die Herstellerempfehlung für rotierende Belastung lautet k6 für die Welle. Die Welle wird auf Maß 25 k6 gefertigt: Obere Abmaschine +0,015 mm, untere +0,002 mm. Das Lager wird warm aufgezogen oder kalt aufgepresst. Der Außenring im Gehause sitzt auf H7 - da der Außenring statisch belastet ist, genügt eine leichte Spielpassung.
Fehler in der Praxis: Wenn ein Maschinenbauer die Welle nur mit ISO 2768-m toleriert, liegt die Abweichung bei ±0,1 mm. Das Lager würde auf der Welle schlagen und nach kurzer Zeit ausschlagen. Wenn keine Passung nötig ist, reicht oft ISO 2768 - aber für Passflächen wie Lagersitze ist immer eine Einzeltoleranz erforderlich.
Passstift in einer Bohrungsgruppe
Passstifte sichern die genaue Lage zweier Bauteile zueinander. Die Stiftbohrung in beiden Teilen erhält H7, der Stift selbst eine Übergangstoleranz - je nach Anwendung m6 oder k6. Mit H7/m6 ist der Stift mit mittlerem Hammerschlag einzutreiben und bleibt sicher in Position. Mit H7/h6 hätte er möglicherweise Spiel und die Lagefixierung wäre nicht gewährleistet.
Wichtig: Bei Passungsanforderungen spielen auch Form- und Lagetoleranzen eine Rolle. Bei Lagertoleranzen sind oft auch Lageabweichungen relevant - insbesondere die Positionstoleranz der Bohrungsgruppe.
Eingepresste Buchse
Gleitlager-Buchsen aus Bronze werden mit Presspassung in Gehause eingefügt. Buchsenaußendurchmesser nach p6, Gehausesbohrung H7. Das Übermaß von typisch 0,02-0,05 mm sichert die Buchse kraft- und formschlüssig. Nach dem Einpressen wird die Innenbohrung der Buchse auf Maß nachgerieben, damit das Gleitspiel der Welle stimmt. Dieser zweite Schritt ist entscheidend - Buchsen verformen sich beim Einpressen um wenige Tausendstel.
ISO 286 vs. ISO 2768 - wo liegt der Unterschied?
Beide Normen regeln Toleranzen bei CNC-Teilen, aber für völlig verschiedene Fälle:
- ISO 2768 gilt für alle Maße ohne eigene Toleranzangabe auf der Zeichnung. Sie ist die Auffangtoleranz für unbemaßte Flächen, Anschrägungen, Abstandsmaße.
- ISO 286 gilt für alle Maße mit Passungsanforderung - also überall wo zwei Teile funktional ineinandergreifen müssen.
Eine Zeichnung, die ISO 2768-m als Allgemeintoleranz hat und H7 für eine Bohrung, ist korrekt. Die H7-Bohrung wird nach ISO 286 gefertigt, alle anderen Maße nach ISO 2768-m. Die beiden Normen schließen sich nicht aus, sondern ergänzen sich.
Faustregel: Immer wenn zwei Teile ineinandergreifen oder eine Funktion von der Maßhaltigkeit abhängt (Lager, Stift, Buchse, Welle-Nabe), braucht es eine Einzeltoleranz nach ISO 286. Für alles andere reicht ISO 2768-m.
Was das für Bestellungen bedeutet
Wenn Sie bei TOSOMA oder einem anderen Lohnfertiger CNC-Teile mit Passungen bestellen, gelten folgende Punkte:
- Passungsmaße müssen auf der Zeichnung eingetragen sein - entweder als ISO 286-Toleranzlage (z. B. H7) oder als numerische Abmaße (z. B. 25+0,021/0,000).
- TOSOMA prüft Passungsmaße mit kalibrierten Messm&itteln - Lehrdorne, Messschrauben, Koordinatenmesstechnik je nach Anforderung.
- Wenn auf Ihrer Zeichnung keine ISO 286-Toleranz eingetragen ist, fertigen wir nach der angegebenen Allgemeintoleranz. Im Zweifelsfall fragen wir nach - besser eine Ruckfrage mehr als ein Außenmaß-Teil, das nicht passt.
TOSOMA fertigt Einzelteile und Kleinserien ab Losgröße 1 nach Zeichnung - bei CNC-Fertigung und Maschinenbau genauso wie bei Ersatzteilfertigung für abgekündigte Teile. Passungen nach ISO 286 sind Standardanforderung, keine Sonderleistung.
Häufige Fragen zu ISO 286 Passungen
H7/h6 ist die gangigste Spielpassung im Maschinenbau. H7 beschreibt die Bohrungstoleranz (Grundabweichung 0, Toleranzqualitat IT7), h6 die Wellentoleranz (Grundabweichung 0, IT6). Die Kombination ergibt ein Spiel von 0 bis 0,034 mm bei 25 mm Nenndurchmesser - geeignet fur Gleitlager, Fuhrungen und Drehlager.
Beim Einheitsbohrungssystem bleibt die Bohrung konstant (Toleranzlage H), die Welle wird angepasst. Beim Einheitswellensystem ist die Welle konstant (h), die Bohrung variiert. Der Maschinenbau verwendet uberwiegend Einheitsbohrung, weil Reibahlen in festen Größen gefertigt werden und weniger Werkzeugvarianten erfordern.
Eine Übergangspassung (z. B. H7/k6) liegt zwischen Spiel- und Presspassung. Je nach tatsachlichem Fertigungsmaß ergibt sich entweder ein kleines Spiel oder ein kleines Übermaß. Einsatz: Passstifte, Stiftringe und Buchsen, wenn die Verbindung lagegenau aber noch demontierbar sein soll.
ISO 2768 Allgemeintoleranzen reichen fur Flächen ohne Passungsanforderungen. Sobald zwei Teile ineinandergreifen, ein Lager aufgenommen wird oder eine kraft- oder formschlüssige Verbindung entsteht, muss eine Einzeltoleranz nach ISO 286 eingetragen werden. Die Allgemeintoleranz ist dafür zu weit.
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