Wissen & Fachbegriffe

Glossar Maschinenbau & CNC-Fertigung

Fachbegriffe aus CNC-Fertigung, Maschinenbau, Retrofit und Qualitätssicherung, klar erklärt für Einkäufer, Planer und Techniker.

Reverse Engineering

Reverse Engineering bezeichnet die Nachkonstruktion eines Bauteils ohne vorhandene Zeichnung. Das Originalteil wird mechanisch oder optisch vermessen, eine CAD-Geometrie abgeleitet und das Ersatzteil maßhaltig gefertigt.

Typischer Einsatz: abgekündigte Ersatzteile, Altanlagen ohne Dokumentation, Bauteile mit ausländischem Ursprung ohne verfügbare Unterlagen. TOSOMA setzt dabei die Koordinatenmessmaschine Keyence XM-1200 ein.

Zur Ersatzteilfertigung

Retrofit

Technische Modernisierung einer vorhandenen Maschine oder Anlage. Steuerung, Antriebe oder Mechanik werden erneuert, während der Maschinenrahmen und das mechanische Grundkonzept erhalten bleiben.

Kosten liegen typisch 30 bis 60 Prozent unter einer Neuanschaffung. Ein Retrofit ist wirtschaftlich sinnvoll, wenn der Maschinenrahmen noch in gutem Zustand ist und die Anforderungen an Leistung und Präzision grundsätzlich erfüllbar bleiben. TOSOMA führt Retrofits für CNC-Maschinen, Fördertechnik und Sonderanlagen durch.

Zum Retrofit-Kalkulator

CNC-Komplettfertigung

Fertigung eines Bauteils oder einer Baugruppe vollständig aus einer Hand: Materialzukauf, CNC-Drehen, CNC-Fräsen, Schweißen, Oberflächenbehandlung und Montage. Der Auftraggeber erhält ein einbaufertiges Teil ohne eigene Lieferkettensteuerung.

CNC steht für Computer Numerical Control, also rechnergesteuerte Werkzeugmaschinen. TOSOMA verfügt über Bearbeitungszentren für Teile bis 7.000 mm Länge und bietet die vollständige Prozesskette ohne Subunternehmer für die Kernprozesse an.

Zu Maschinenbau & CNC

Losgröße 1

Fertigung ab einem einzigen Stück, ohne Mindestbestellmenge. Relevant für Prototypen, Einzelersatzteile und Sonderbauteile, bei denen eine Serienproduktion wirtschaftlich nicht sinnvoll ist.

Losgröße 1 bedeutet für den Fertigungsbetrieb höheren Rüstaufwand pro Stück. TOSOMA bildet diesen Aufwand transparent über eine Rüstpauschale ab und fertigt grundsätzlich ab dem ersten Stück, ohne Mindestmenge.

ISO 9001

Internationale Norm für Qualitätsmanagementsysteme. Die Zertifizierung durch eine akkreditierte Stelle, bei TOSOMA TÜV SÜD, belegt, dass Prozesse von der Auftragsannahme bis zur Lieferung definiert, dokumentiert und regelmäßig auditiert werden.

Für Einkäufer aus der Automobilindustrie, dem Anlagenbau und dem öffentlichen Sektor ist ISO 9001 häufig eine Pflichtvoraussetzung für die Lieferantenfreigabe. Die aktuelle Norm-Version ist ISO 9001:2015.

Zum Zertifikat

ISO 2768

Norm für Allgemeintoleranzen in der CNC-Fertigung. Legt fest, welche Maßabweichungen ohne explizite Toleranzangabe in der Zeichnung zulässig sind. Vier Toleranzklassen: f (fein), m (mittel), c (grob), v (sehr grob).

ISO 2768-m ist der Standard im allgemeinen Maschinenbau. Bei TOSOMA gilt ISO 2768-m als Basis für alle Fertigungszeichnungen ohne gesonderte Toleranzangabe. Engere Toleranzen müssen explizit eingezeichnet werden.

Beitrag zu ISO 2768

5-Achs-Fräsen

CNC-Fräsbearbeitung mit fünf gleichzeitig steuerbaren Achsen: drei Linearachsen (X, Y, Z) und zwei Rotationsachsen. Ermöglicht komplexe Freiformflächen, Hinterschneidungen und schräge Bohrungen in einer einzigen Aufspannung.

Vorteil gegenüber 3-Achs-Fräsen: weniger Umspannvorgänge bedeutet höhere Präzision durch durchgehende Referenz und kürzere Durchlaufzeit. Wirtschaftlich sinnvoll ab mittlerer Teilegeometrie mit mehr als einer bearbeiteten Seite.

5-Achs vs. 3-Achs: Wann welches?

Oberflächenrauheit (Ra / Rz)

Kennwert für die Güte einer bearbeiteten Oberfläche. Ra ist der arithmetische Mittelwert der Profilabweichungen über eine Messstrecke; Rz der gemittelte Rautiefenwert aus fünf Einzelmessabschnitten. Ra ist empfindlicher gegenüber Ausreißern, Rz praxistauglicher für Fertigungsvorgaben.

Typische Werte nach CNC-Fräsen: Ra 1,6 bis 3,2 µm. Nach Schleifen: Ra 0,2 bis 0,8 µm. Angabe in der Zeichnung als Rauheitssymbol nach ISO 1302. Ohne Angabe gilt die Allgemeinrauheit des Betriebs.

Ra und Rz erklärt

Prüfbericht

Schriftliche Dokumentation einer technischen Inspektion oder Prüfung. Enthält Prüfumfang, Methodik, festgestellte Befunde, Bewertung des Zustands und Maßnahmenempfehlung. Bei Betriebsmitteln und Hebezeugen durch DGUV-Vorschriften und Berufsgenossenschaftsregeln (BGV) vorgeschrieben.

Ein Prüfbericht dokumentiert den Zustand einer Anlage zu einem definierten Zeitpunkt und dient als Nachweis für Versicherungen, Behörden und interne Compliance. TOSOMA stellt nach jeder Inspektion einen schriftlichen Prüfbericht als PDF aus.

Zur Wartung & Inspektion

EMPB (Erstmusterprüfbericht)

Dokument, das bei Serienlieferungen belegt, dass das erste gefertigte Muster alle Zeichnungsanforderungen erfüllt. Ein EMPB enthält vollständige Messprotokolle aller maßlichen und funktionalen Merkmale sowie Materialnachweise.

Der EMPB wird von Automobilzulieferern, Luft- und Raumfahrtunternehmen und im allgemeinen Maschinenbau bei sicherheitsrelevanten Bauteilen gefordert, bevor eine Serie freigegeben wird.

EN AW-6082

Aluminium-Knetlegierung mit Silizium und Magnesium (AlSi1MgMn), die häufigste Konstruktionslegierung im allgemeinen Maschinenbau. Gute Zerspanbarkeit, hohe Festigkeit nach Wärmebehandlung im T6-Zustand (Zugfestigkeit ca. 310 MPa), gut schweißbar.

Verwandte Legierungen: EN AW-6060 (für Strangpressprofile), EN AW-7075 (Hochfest, Luft- und Raumfahrt). TOSOMA bearbeitet EN AW-6082 standardmäßig bei Aluminiumprofilen und Frästeilen.

Zur Profilbearbeitung

DIN EN 1090

Europäische Norm für die Ausführung von Stahl- und Aluminiumtragwerken. Hersteller müssen eine werkseigene Produktionskontrolle (WPK) einrichten und nachweisen. Fertigprodukte erhalten die CE-Kennzeichnung nach DIN EN 1090-1.

Für tragende Stahlkonstruktionen im Maschinenbau, in der Bautechnik und im Anlagenbau ist DIN EN 1090 die entscheidende Konformitätsgrundlage. Ausführungsklassen EXC1 bis EXC4 definieren den Anforderungsgrad.

Werkstoffzeugnis 3.1

Abnahmeprüfzeugnis nach DIN EN 10204 Abschnitt 3.1. Belegt Werkstoffeigenschaften wie chemische Zusammensetzung und mechanische Kennwerte anhand der tatsächlich gelieferten Charge. Ausgestellt und unterzeichnet vom Materiallieferanten.

Abgrenzung: Ein Zeugnis 2.2 (Werkszeugnis) basiert auf allgemeinen Werkswerten, nicht auf der Prüfung der gelieferten Charge. Das 3.1-Zeugnis ist chargenspezifisch und für sicherheitsrelevante Anwendungen und dokumentationspflichtige Projekte erforderlich.

Zentrierung (Zentrieren)

Ausrichten eines Werkstücks oder Bauteils auf eine gemeinsame Achse oder einen definierten Referenzpunkt. In der CNC-Fertigung ist das Zentrieren Voraussetzung für Passgenauigkeit bei rotationssymmetrischen Teilen - insbesondere bei Wellen, Bohrungen und Passungssitzen.

Unterschied: Die Zentrierbohrung (nach DIN 332) ist eine genormte Bohrung an der Stirnfläche von Drehteilen, die als Auflage für den Reitstock oder die Körnerspitze dient und eine exakte Rotation sicherstellt. Eine Zentrierungspassung richtet zwei Bauteile über eine Passung (z.B. H7/h6) koaxial zueinander aus.

Typische Anwendungen bei TOSOMA: Zentrierbohrungen an Wellen vor dem Außendrehen, Zentrierpassungen bei Flanschverbindungen, Zentrierdorne als Vorrichtung zur Aufnahme von Werkstücken.

Zur Dreherei Sachsen

Koordinatenmessmaschine (KMM)

Gerät zur dimensionellen Messung von Bauteilen im dreidimensionalen Raum. Ermöglicht die Prüfung von Maßen, Form-, Lage- und Positionstoleranzen (GD&T) nach Zeichnung sowie die Prüfung von ISO-2768-Allgemeintoleranzen und die Erstellung vollständiger Messprotokolle.

TOSOMA setzt das Keyence XM-1200 ein: ein handgeführtes optisches Messsystem, bei dem eine CMOS-Kamera Infrarot-Lichtmarken berührungslos erfasst. Genauigkeit ±8 µm, Wiederholgenauigkeit ±3 µm. Das System benötigt keine stationäre Messzelle und lässt sich direkt am Bauteil einsetzen.

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